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Zum geplanten Abend am 28.03.2006 mit Hauke Stehn
Leider konnte der Abend mit Hauke Stehn zum Thema “Feinmotorik - Schreibmotorik” nicht stattfinden. IFKIF konnte auch aufgrund der Absage des Referenten am Veranstaltungstage diesen Abend nicht mehr absagen.
Leider war kein Ersatztermin zu vereinbaren, IFKIF wird sich darum bemühen in der nächsten Zeit dieses Thema noch einmal aufzugreifen.
Wir möchten uns trotzdem bei allen bedanken die gekommen sind und Intersse am Thema gezeigt haben.
26.04.2006
Torsten Heuer
Protokoll des Vortrags:
Zwischen Schulreife und Lebenskompetenz
Am 26.04.2006 um 19.30 Uhr in dem Gemeindehaus der St. Heinrich Gemeinde.
Der Dipl. Sportlehrer Torsten Heuer Referiert über die Zusammenhänge von motorischen Fähigkeiten und schulbezogenen Lernmöglichkeiten.
Im Laufe ihrer Entwicklung müssen sich Kinder viele Fähigkeiten und Fertigkeiten erschließen, um selbstbewusst und kompetent mit Anforderungen umzugehen.
Als Pädagoge bietet er vor diesem Hintergrund Hilfen für Kinder mit Auffälligkeiten wie ADS/ADHS, oppositionellem oder aggressiven Verhalten und arbeitet in der Jungen - und Erlebnispädagogik.
Er beschäftigt sich überwiegend mit Fragen wie z.B.:
- Wie können wir als Eltern und Umfeld unseren Kindern einen guten Rahmen für ihre Entwicklung bieten?
- Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten unterstützen die Schulreife unserer Kinder?
- Welche Bedeutung haben motorische Fertigkeiten?
- Wie können wir das Selbstwertgefühl unserer Kindes entwickeln und fördern?
- Welche Anforderungen sollten wir den Kindern stellen, damit sie später ihr Leben meistern können ?
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Gekonnt schafft er es die Zuhörer, bestehend aus Eltern und Pädagogen, immer wieder in den überhaus realistischen und Realitätsnahen Vortrag mit einzubeziehen.
Er berichtet z.B.:
Über die Wahrnehmungsfähigkeiten aller Sinne.
Wie wichtig Dinge, wie z.B. das “sich dreckig machen dürfen” für ein Kind sind.
Über die Wahrnehmung des Körpers, der Umwelt und der Sprache, gibt T. Heuer anhand eines Baumes, bildlich, die wichtigsten Informationen an die Zuhörer weiter ohne an Kritik, aber auch ohne an Lob zu sparen.
Mit einfachen Fragen gibt er den Zuhörern die Möglichkeit, eigenes Handeln zu überdenken und zu Hinterfragen und zum Teil auf altbewährtes zurückzugreifen.
Ebenso anschaulich stellt er da, wie wichtig es für Kinder ist, sie selbst zu sein, Innere Ruhe, Ausgeglichenheit und Neugier zu haben, sowie aber auch Geduld, Ausdauer und Struktur zu erwerben.
Grapho - Motorische Fähigkeiten, Soziales Verhalten und Grundschnelligkeit machen ebenfalls einen Grossteil der Schulfähigkeit aus und könne von den Eltern ebenso wie das Mengenverständnis, oft durch einfaches “los - lassen” gefördert werden.
Frei nach Freud: Lernen ist Erfahrung, alles andere ist nur Information”, zeigt T. Heuer wie wichtig es für Kinder ist, Fehler machen zu “dürfen”, um daraus lernen zu “dürfen”.
30.05.2006
Protokoll “Visuelle Wahrnehmung” Uwe Seese Funktionaloptometrist und Augenoptikermeister
Der Referent beginnt den Abend mit einem Bild, dass einen Jungen bei den Hausarbeiten zeigt. Er erläutert anhand des Bildes welche Probleme im visuellen Bereich bei diesem Kind vorliegen könnten. Das Kind sitzt mit stark nach rechts geneigtem Kopf und sehr dicht mit dem Gesicht vor seinem Arbeitsblatt. Weiterhin fällt die verkrampfte Stifthaltung und der offensichtlich starke Druck auf die Unterlage auf. Das Alter des gezeigten Kindes ist etwa 10 Jahre.
Er beschreibt die visuellen Fähigkeiten, die ein Kind haben sollte um mit möglichst wenig Energie und guter Leistung seine Aufgaben erledigen zu können. Er beschreibt die Funktionen: Akkomodation, Vergenz, Sakkaden, Wahrnehmung. Unter Akkommodation versteht man die Anpassung des Auges an nahe Entfernungen, Vergenz bezeichnet ungleichsinnige Augenbewegungen zum Beispiel beim Blick in die Nähe, das eine Auge schwenkt nach rechts, das andere Auge nach links. Unter Skkaden werden sprunghafte Augenbewegungen verstanden. Der gesamte Bereich der Wahrnehmung is,t wie Herr Seese erklärt, der wesentliche Teil des Sehens. Damit verdeutlicht er, dass der Sehvorgang zu einem ganz wichtigen Teil, im Gehirn abläuft. So spielt die Erfahrung, Gesehenes und der Abgleich mit dem momentanen Seheindruck ein wichtige Rolle.
Weiterhin stellt der Referent die verschiedenen Fehlsichtigkeiten vor.
Dazu Zählen:
- Kurzsichtigkeit
- Übersichtigkeit (“Weitsichtigkeit”)
- Stabsichtigkeit oder Stigmatismus
- Winkelfehlsichtigkeit
Der Kurzsichtige sieht weit weg liegende Dinge unscharf, kann aber i.d.R. Dinge in der Nähe noch gut sehen.
Die Übersichtigkeit beruht auf einer zu geringen Brechkraft des optischen Systems Auge im Verhältnis zu seiner Baulänge. Das Auge benötigt um in der Nähe zu Sehen, die Fähigkeit seine Brechkraft zu erhöhen. So kann ein junger Übersichtiger, mit einer nicht allzu hohen Fehlsichtig, im ausgeruhten Zustand, diese Fehlsichtigkeit ausgleichen. Allerdings ist dazu ein hoher Energieaufwand notwendig, sodass die Korrektur der Übersichtigkeit auch sinnvoll und notwendig erscheint. Beim Stigmatismus erfolgt eine Verzerrung des Gesehenen. Verzerrungen sind in der vertikalen, horizontalen und allen Bereichen dazwischen möglich. Dabei führt letztgenannte zu den deutlich stärkeren Unschärfen als die Vertikale oder horizontale Verzerrung. Durch eine Korrektur durch eine Brille kann es dabei in der ersten Zeit des Brilletragens zu Effekten kommen, dass Dinge schräg erscheinen obwohl sie gerade sind. Das wird dadurch hervorgerufen, dass die Wahrnehmung den nichtkorrigierten schrägen Eindruck als gerade abgespeichert hat. Die Fehlsichtigkeiten, bzw. die Wahrnehmung der Betroffenen werden in sehr eindrucksvoller Weise durch den Referenten anschaulich gemacht und erklärt.
Sehr anschaulich und eindrucksvoll ist auch die Erläuterung der Sehprobleme, die ein Kind im schulischen Alltag haben kann, dass Sakkaden nicht einwandfrei ausführen kann. Dieses Kind hat massive Problem z.B. von der Tafel abzuschreiben. Fällt der Blick auf die Tafel wird nicht mit dem ersten Blick die richtige Stelle gefunden, die zu bearbeiten ist. Beim Blick auf das Geschriebene im Heft tritt das gleiche Problem auf. Dieses Kind muss ständig die Augen nachjustieren um an der “richtigen” Stelle zu sehen. Das kostet Zeit. Ein Kind ohne diese Probleme, schaut problemlos von der Tafel aufs Heft und zurück und braucht die Augen nicht nachzujustieren. Dieses mehr an Zeit setzt das betroffene Kind zusätzlich unter Stress. Es wird feststellen, dass es diese Situation immer langsamer, als andere Kinder, bewältigen kann. Und dieser Stress führt dann zu noch mehr Fehlern, als das betroffene Kind aufgrund seiner Sehprobleme schon macht.
Herr Seese erläutert weiterhin welche Bereiche in seiner Analyse geprüft werden und wie eine Verbesserung der Sehsituation erreicht werden kann. Er erklärt, dass nach eingehender Analyse dem Betroffenen Übungen gezeigt werden, die er Zuhause täglich vornehmen sollte. In vierzehntäglichem Abstand erfolgt ein Kontrolltermin in der Praxis um den Verlauf zu beurteilen und um dem Betroffenen neue Übungen bzw. Variationen zu zeigen. Die Dauer einer Behandlung lässt sich im Vorfeld nicht genau festlegen. Zumal bei Behandlung einer Amblyopie (niedrige Sehschärfe trotz bestmöglicher Korrektur) ein hohes Übungspensum notwendig ist. Bei den Übungen werden in der Regel alle Bereiche des Sehens “bearbeitet”. D.h. es wird eine Übung die Akkommodation betreffend, der Sakkaden, der Vergenz und der Wahrnehmung gezeigt.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass viele Bereiche des Sehens durch ein Visualtraining verbessert werden können. Insbesondere bei Auftreten von Problemen im Lese Rechtschreib Bereich, Konzentrations- und Verhaltensauffälligkeiten macht eine Analyse bzw. Abklärung des visuellen Status viel Sinn. Leider wird diesem Bereich der Wahrnehmung in Deutschland zu wenig Beachtung geschenkt. Schwierigkeiten in der akustischen Differenzierung sind bekannt und werden abgeklärt, Schwierigkeiten in der visuellen Differenzierung wird kaum Beachtung geschenkt obwohl häufig das eine mit dem anderen einhergeht.
12.09.2006 Olaf Krauss de Camargo Notwendige Entwicklungsschritte im Jahr Jahr vor der Einschulung
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